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Bügelsäge

Auf den folgenden Seiten möchten wir Ihnen eingige praktische Pflegetipps für Ihren Obstgarten oder für die Streuobstwiese geben.

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Arbeitskalender Obstbau
Mai


Ein Polarlufteinbruch in der 16. KW hat v.a. in der Nacht zum 20. April zu erheblichen Spätfrostschäden geführt. Auch in der darauffolgenden Nacht und in der letzten Aprilwoche sind die Temperaturen unter den Gefrierpunkt gesunken. Die Folgen für die Obstblüte (und für den diesjährigen Obstertrag) sind noch nicht absehbar. Die Ausfälle werden aber voraussichtlich im Bereich von 80 % und darüber liegen. Einen derartigen Spätfrostschaden gab es zuletzt im Jahr 1991.

Blütenfrosthärte von Obstgehölzen

In der Winterruhe besitzen die heimischen Obstgehölze eine relativ hohe Frostresistenz. Mit dem Austrieb und dem beginnenden Wachstum änderst sich dies. Wachstum setzt einen hohen Wassergehalt in der Pflanze voraus und das junge, zarte Pflanzengewebe ist im Frühjahr noch sehr empfindlich. Bei Frösten gefriert zunächst das Wasser zwischen den Pflanzenzellen. Die Folge ist eine Dehydration der umliegenden Zellen. Kommt es bei noch kühleren Temperaturen zur Bildung von Eiskristallen, innerhalb oder außerhalb der Zelle, wird diese irreversibel geschädigt und geht zugrunde. Das betroffene Pflanzengewebe verbräunt und vertrocknet mehr oder weniger großflächig. Bei Blüten ist es der Fruchtknoten der zuerst abstirbt. Bei Jungfrüchten kann der Schaden auf einzelne Partien der Frucht begrenzt sein, oft zieht sich das abgestorbene Gewebe aber durch die ganze Frucht.

Die Frosthärte ist stark abhängig vom Entwicklungsstand der Blüte. Je weiter die phaenologische Entwicklung fortgeschritten ist, desto weniger Kälte verträgt die Blüte:

Mausohrstadium Rote Knospe Apfelblüte
Abb 1: Stadium "Grüne Knospe"
In diesem Stadium verträgt die Blüte normaerweise noch Temperaturen um -4 Grad C.
Abb 2: "Ballonstadium" In diesem Stadium hält die Blüte Temperaturen um -2 Grad C aus. Abb 3: Vollblüte: Temperaturen um
0 Grad C können bereits zu Schäden führen


Ob es zum Blütenfrost kommt hängt von vielen Faktoren ab. Entscheidend sind neben dem Temperatur-Minimum auch die Abkühlgeschwindigkeit sowie die Auftaugeschwindigkeit. Die Dauer der Frosteinwirkung spielt dagegen keine große Rolle. Die Frostresistenz der Blüte hängt ebenfalls von mehreren Faktoren ab: die sortenspezifische Frosthärte spielt eine Rolle, ebenso wie der Gesundheits- und Ernährungszustand der Blüte. Nach einem Vollertrag im Vorjahr haben die Blüten häufig eine schlechtere Frosthärte und sind empfindlicher.

Blütenfrost Blütenfrost
Abb 4: Frostschaden während der Blüte: der Fruchtknoten ist betroffen; die Blüte wird sich nicht mehr weiterentwicklen. Abb 5: Frostschaden an der Jungfrucht. Bei leichten partiellen Schäden kann die Frucht deformiert weiterwachsen. Im vorliegenden Bild ist die Jungfrucht wohl zerstört.


Unterschiede gibt es auch bei den Frostarten. Zu Strahlungsfrösten kommt es in klaren Nächten mit wenig Windbewegung, wenn die Wärmestrahlung des Bodens ungehindert nach oben entweichen kann. Beim Windfrost (Advektionsfrost) erfolgt die Abkühlung durch seitlich auftretende kalte Winde (meist polaren Ursprungs) mit kühlerer Temperatur als die Pflanze. Windfröste können auch tagsüber auftreten. Ein Verdunstungsfrost kann entstehen, wenn die Pflanzen durch Regen oder Schnee befeuchtet wurden. Kommt anschließend ein trockener, kalter Wind auf, sinken die Temperaturen durch die Wärmeabgabe der Pflanze bzw. durch die entstehende Verdunstungskälte.

Bei den Frostereignissen 2017 hat es sich um Strahlungsfröste gehandelt. Das Ausmaß der Schäden hängt bei Strahlungsfrösten stark von den topografischen Verhältnissen und vom Kleinklima ab. In einigen Wochen wird zu sehen sein, wie viel vom Ertrag noch übrig ist. Sind die Bäume leer, ist leider mit einem starken Triebwachstum zu rechnen. Dann wäre es sinnvoll, die Bäume etwas „kurz“ zu halten und mit Wassergaben und Stickstoffdüngung vorsichtig umzugehen. Evtl. sollte ein Sommerschnitt eingeplant werden.


Frostschäden an Himbeeren

Ob die Blütenknospen der Tragruten Schaden genommen haben, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Bei Himbeeren ist aber damit zu rechnen, dass die Jungruten, die in der 16. KW schon vorhanden waren, einen Frostschaden davongetragen haben. Leider ist dies den Jungruten kaum anzusehen. Eine Rotfärbung und eine Wachstumsstockung sind die einzigen Hinweise auf Frostschaden. Das Problem besteht darin, dass die Jungruten weiterwachsen aber das Mark der Ruten geschädigt sein kann. Die Folge des Spätfrostes ist dann erst im nächsten Jahr zu sehen. Nach einem anfänglich gesunden Austreiben der Seitenruten, vertrocknen diese kurz vor der Beerenreife. Dieses Symptom bringt man meist nicht mehr mit dem Spätfrost im Vorjahr in Verbindung. Am besten ist es deshalb, alle Jungruten die in der 16. KW schon vorhanden waren, abzuschneiden und auf den zweiten Aufwuchs zu setzen. Der zweite Aufwuchs benötigt evtl. etwas mehr Bewässerung und Düngung, damit er bis zum Vegetationsende im Herbst die erforderliche Höhe erreicht.

Frostschaden Jungrute
Abb 6: Rot verfärbte Triebspitzen sind ein Hinweis auf Frostschaden. Die Schädigung bleibt bestehen, auch wenn die Rute nach einiger Zeit normal weiterwächst.

Frostschaden Jungrute
Abb 7: Zur Kontrolle kann eine Rute aufgeschnitten werden. Ist das Mark der Rute verbräunt, liegt ein Frostschaden vor, der den Ertrag der Rute im kommenden Jahr beeinträchtigen kann.

Frostspanner

In vielen Landesteilen ist der Befallsdruck durch die Raupen des Frostspanners auch dieses Jahr sehr hoch. Die Falter, die im vergangenen Herbst für Kontrollzwecke gefangen wurden, lassen stärkere Fraßschäden erwarten. Dieser Schädling hat den Winter als Ei überstanden und die Raupen schlüpfen seit Anfang April aus diesen Eiern. Vor allem in der Wald und von Gehölzstreifen können die Raupen im Lauf des Monats April einen Kahlfraß verursachen. Häufig wird die Gefahr durch Raupen im Frühjahr viel zu spät erkannt. Wenn von Blättern und Blüten nur noch die Stiele übrig sind, ist es häufig zu spät für eine Gegenmaßnahme.

Frostspannerraupe

Abb 8:
Die Fraßschäden durch die Raupen von Frostspanner und Eulen können in manchen Jahren bis zum Kahlfraß führen. Ältere Bäume kommen damit zurecht, für junge Bäume kann ein Kahlfraß aber bedenklich sein.

Frostspanner Flugverlauf

Abb 9:
Flugverlauf des Frostspanners im Herbst 2016 im Stromberggebiet. Pro Woche wurden teilweise über 1000 Falter gezählt. Der Befallsdruck ist aber regional sehr unterschiedlich und nicht landeseinheitlich. Grafik: Christine Cent, LRA Ludwigsburg.

Mehlige Apfelblattlaus

An Apfel kommen vier verschiedene Blattlausarten vor. Wirklich kritisch ist meist nur ein Befall mit der Mehligen Apfelblattlaus. Nach der Blüte rollen sich die Blätter der Triebspitzen zusammen und im Inneren findet sich eine Blattlauskolonie aus grauen Läusen. In der Nähe von Fruchtständen kann ein Befall zu deformierten Äpfeln führen. Häufiger sind die Triebspitzen der Langtriebe betroffen. Bei älteren Bäumen können die befallenen Triebe einfach herausgeschnitten oder eingekürzt werden um die Läusekolonie zu beseitigen. Bei Jungbäumen, bei denen diese Triebe für den Kronenaufbau benötigt werden, sollte der Befall durch die Anwendung eines Insektizides verhindert werden bevor die Triebe zu stark beschädigt werden. Dazu ist es wichtig, rechtzeitig zu handeln und nicht zu warten, bis der Schaden eingetreten ist.


Mehlige Apfellaus
Abb 9: Schadbild der Mehligen Apfellaus im Juni: verkrüppelte Blätter und Früchte. Bei einem Befall an Jungbäumen kann der Neutrieb in Mitleidenschaft gezogen werden, der für den Kronenaufbau benötigt wird.