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Auf den folgenden Seiten möchten wir Ihnen eingige praktische Pflegetipps für Ihren Obstgarten oder für die Streuobstwiese geben.

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Arbeitskalender Obstbau
Januar / Februar


Mistelbefall

In den süddeutschen Streuobstgebieten nimmt der Besatz mit Misteln an den hochstämmigen Apfelbäumen in den letzten Jahren außergewöhnlich stark zu. Lange Zeit wurde das Mistelproblem verharmlost. Im Internet finden sich Beiträge, wonach Misteln wertvolle Bestandteile einer Obstwiese sind, für die Vogelwelt eine besondere Bedeutung haben und unter Naturschutz stehen. Es finden sich sogar Anleitungen, wie Misteln vermehrt werden und von Hand auf Apfelbäumen angesiedelt werden können. Erst langsam wird zur Kenntniss genommen, dass diese Aussagen so nicht stimmen und die Misteln großen Schaden an den Obstbäumen anrichten, wenn sie nicht nur vereinzelt, sondern in großer Dichte vorkommen. Naturschutzrechtlich geschützt sind Misteln übrigens nicht; es ist allerdings nicht gestattet, Misteln in größerer Anzahl für gewerbliche Zwecke aus der freien Landschaft zu entnehmen um sie zu verkaufen.
Mistel

Abb 1: Stark mit Misteln befallener Apfelbaum

Die Mistel zählt zu den Halbschmarotzern. Als immergrüner Strauch besitzt sie eigenes Chlorphyll und ist daher zur Photosynthese in der Lage. Wasser und Nährstoffe entnimmt die Mistel allerdings mittels ihrer Saugorgane der Wirtspflanze, dem Laubbaum. Durch einen starken Befall wird dieser so weit geschwächt, dass einzelne Astpartien absterben können.

Mistel Mistel
Abb 2: Beginnender Mistelbefall. Die Mistel ist in diesem Stadium 3 Jahre alt. Abb 3: Mehr als 10 Jahre alte Mistel. Die Gelbfärbung der Mistel zeigt, dass sie mitsamt dem Ast, der fast nur noch aus Totholz besteht, am Absterben ist.


Am Häufigsten ist in Mitteleuropa die Weißbeerige Form der Mistel (Viscum album) zu finden. Diese Laubholzmispel kommt besonders an Apfelbäumen, an Pappeln, Linden und Ahornarten vor. Die weißlichen Beeren reifen ab Dezember und sind für Vögel (insbesondere für Drosseln) im Winter eine willkommene Nahrungsquelle. Auf diese Weise werden die Mistelsamen verbreitet. Die Samen, die von einem zähen Schleim umgeben sind werden den Vögeln auf der Wirtspflanze abgestreift oder mit dem Kot ausgeschieden. Die Zunahme der Misteln wird zum Teil auf die Klimaveränderung zurückgeführt. Die Ausbreitung hat aber auch mit dem beklagenswerten Pflegezustand in den Streuobstgebieten zu tun. In gepflegten, regelmäßig geschnittenen Hochstämmen, können sich Mispeln nicht so rasch im Bestand etablieren.

Ein Mistelbefall lässt sich nicht ohne weiteres wieder beseitigen, weil sich abgeschnittene Misteln aus den Saugorganen wieder regenerieren können. Die Misteln müssen zusammen mit dem Ast an der nächsten Astgabel abgesägt werden. Im peripheren Kronenbereich ist das Ausschneiden gut möglich. Schwieriger wird es, wenn Stammverlängerung, Leitäste oder andere Starkäste betroffen sind. Auch diese müssten komplett entfernt werden um den Mistelbefall nachhaltig zu beseitigen. In diesem Fall ist abzuwägen, ob ein derart großer Kroneneingriff gewollt und sinnvoll ist. In seltenen gravierenden Fällen ist die Rodung des Baumes leider die einzige Lösung.

Schnitt von Edelreisern für die Frühjahrsveredelung

Von Mitte Januar bis Mitte Februar ist die beste Zeit um Edelreiser für die Veredelungen im Frühjahr zu schneiden. Besonders wichtig ist die Einhaltung dieses Zeitraumes bei Steinobstreisern. Bei Steinobst ist die Winterruhe früh beendet: sobald die Steinobstreiser bereit zum Austrieb sind, verwachsen sie nur noch ungern mit der Unterlage und die Veredelung missglückt. Kernobstreiser sind diesbezüglich nicht so empfindlich; auch spät geschnittene Reiser von Apfel und Birne verwachsen in der Regel noch gut. Dennoch gilt: je später die Reiser geschnitten werden und je ungünstiger die Aufbewahrung erfolgt, desto unsicherer ist der Erfolg der Veredelung. Als Veredelungsmaterial eignen sich kräftige einjährige Triebe, die mindestens bleistiftstark sind und aus gut belichteten Teilen der Krone stammen. Schwache, dünne Reiser oder Material aus schlecht belichteten Kronenteilen ist weniger gut geeignet.

Edelreiser

Die Edelreiser sollten nicht gerade in einer Frostperiode geschnitten werden; dies schadet dem Veredelungserfolg. Nach dem Schnitt der Edelreiser sollten diese möglichst kühl und feucht aufbewahrt werden, so dass die Winterruhe möglichst bis zum Veredelungstag im April einigermaßen gut erhalten bleibt. Die Edelreiser werden gebündelt, beschriftet und in feuchten Sand eingestellt. Ein kühler, feuchter Keller ist als Aufbewahrungsort gut geeignet. Die Reiser dürfen nicht zusammen mit Obst gelagert werden. Eingelagertes Obst scheidet das Reifegas Ethylen aus. Dieses Gas fördert die Unterbrechung der Winterruhe und bewirkt einen vorzeitigen Austrieb der Reiser. Wenn ein geeigneter Keller fehlt, können die Reiser auch im Garten eingeschlagen werden. Gut geeignet ist eine Bodengrube (mindestens 2 Spaten tief) an einer möglichst schattigen und kühlen Stelle im Garten. Die Reiser nach dem Bündeln verpacken (z.B. in einem Kunststoffbeutel) und auf Mäuseschutz achten.


Steinobstreiser sind leider sehr schlecht zu lagern; häufig sind sie nach einer Lagerung im Keller oder im Garten bis Anfang April schon angetrieben und nur ein geringer Teil der Veredelungen gelingt. In diesem Fall ist es besser, die Edelreiser von einer Obstbaumschule zu beziehen, in der die Reiser optimal in einem Kühlhaus gelagert wurden. Wer Veredelungstechniken wie das „Geißfußpfropfen“ beherrscht, kann Steinobst auch schon vor der Zeit des Rindenlösens veredeln. Dadurch verkürzt sich die Aufbewahrungszeit der Reiser. Leider ist das Geißfußpfropfen nicht ganz einfach und erfordert einige Übung.