obstbauberatung

 

Bügelsäge

Auf den folgenden Seiten möchten wir Ihnen eingige praktische Pflegetipps für Ihren Obstgarten oder für die Streuobstwiese geben.

Beerenobst
Hier sind derzeit noch keine Inhalte hinterlegt
Erdbeeren
Hier sind derzeit noch keine Inhalte hinterlegt
Verschiedenes
Hier sind derzeit noch keine Inhalte hinterlegt


VBOGL Logo

Arbeitskalender Obstbau
Juni / Juli


Nach dem Junifall zeichnet sich allmählich ab, wie viele Früchte nach den Frostnächten vom 18. bis 21. April tatsächlich noch auf den Bäumen hängenbleiben. Beim Kernobst mussten die anfänglichen Prognosen nochmals nach unten korrigiert werden. Die Äpfel- und Birnbäume haben einen Teil der Früchte abgeworfen, von denen man zunächst dachte, sie hätten den Frost überstanden. Bei den Kirschen sieht es dagegen zumindest am Neckar etwas besser aus; einige Sorten haben dem Frost getrotzt und tragen einen bescheidenen Ertrag. Auch das Beerenobst ist nicht so stark geschädigt worden, wie anfangs befürchtet.

Sommerschnitt

Ein guter Fruchtansatz kostet den Baum sehr viel Kraft in Form von Nähr- und Wachstumsstoffen (Pflanzenhormonen). Fehlt dieser Fruchtansatz, ist ein übermäßiges Holz- bzw. Triebwachstum die Folge. Bei kleinen Baumformen im Garten lässt sich dies am Besten beobachten: zahlreiche einjährige Holztriebe (Wasserschosser) werden v.a. im Gipfelbereich der Kronen gebildet, während die darunterliegenden Kronenpartien verschatten und benachteiligt werden. Sind noch einige wenige Früchte am Baum, verschwinden diese unter einem dichten Blätterdach. Durch einen leichten Sommerschnitt im Juni kann dieser Fehlentwicklung etwas entgegengewirkt werden. Beim Sommerschnitt werden zwei Zeiträume unterschieden:

1. Der Frühsommerschnitt im Juni: Er ist v.a. dann sinnvoll, wenn die Bäume übermäßig stark wachsen (wie in diesem Jahr). Beim Frühsommerschnitt wird nur ein Teil der Neutriebe entfernt, die nicht für den Kronenaufbau bzw. für die Fruchtholzerneuerung benötigt werden. Man sollte nicht alle Triebe wegschneiden, sondern nur die kräftigsten und stärksten Wasserschosser. Schwache Triebe können zunächst verbleiben. Der Nachteil des Frühsommerschnittes liegt darin, dass die verbleibenden Triebe danach noch stärker wachsen und angeschnittene Triebe nochmals unerwünscht durchtreiben können. Ein zweites, starkes Austreiben kann vermindert werden, wenn die Triebe nicht (mit der Schere) geschnitten, sondern von Hand gerissen werden. Man spricht deshalb auch von Juniriss. In Jahren mit Fruchtansatz sollte bedacht werden, dass Früchte durch einen Sommerschnitt im Juni stärker belichtet werden und rascher Sonnenbrand bekommen. Außerdem sind sie gefährdeter, wenn es zu Hagelereignissen kommen sollte.

2. Der Spätsommerschnitt ab August: Die Triebe haben meist Mitte August mit dem Triebwachstum abgeschlossen und trieben nach einem Sommerschnitt nicht mehr erneut durch. Die Gefahr für Sonnenbrand- und Hagelschäden ist in der zweiten Augusthälfte ebenfalls geringer. Bei regelmäßigem Ertragsverlauf und gleichmäßig tragenden Bäumen ist nur der Spätsommerschnitt sinnvoll und auf den Frühsommerschnitt kann verzichtet werden.

Kronenüberbauung Juniriss
Abb 1: Bei Spindelbäumen sollten die überzähligen Neutriebe im Gipfelbereich durch den Juniriss reduziert werden. Abb 2: Im grünen Zustand können die Jahrestriebe leicht herausgerissen werden. Die Risswunden verheilen rascher als beim Schnitt mit der Schere.

Stark wachsende Jungtriebe sind sehr anfällig für Mehltau- und Läusebefall. Triebe, die durch diese Schaderreger befallen sind, müssen entfernt werden. Dies gilt natürlich auch für z.B. Stachelbeeren, die durch unter dem amerikanischen Stachelbeermehltau leiden. Ende Juni wird das Laub allmählich härter und entwickelt eine gewisse Altersresistenz gegenüber Mehltau.

Sonnenbrand an Beerenobst

Bei einer intensiven Sonneneinstrahlung und hochsommerlichen Temperaturen über 30 Grad C erhitzen sich Früchte derart stark, dass das pflanzliche Gewebe zerstört und die Frucht irreversibel geschädigt wird. Bei ausreichend feuchten Bodenverhältnissen kommt es nicht so schnell zu Sonnenbrandschäden. Regelmäßige Wassergaben können die Schäden etwas minimieren. An heißen Tagen ist es sinnvoll, die Früchte zusätzlich durch eine Schattierung zu schützen.

Sonnenbrand Johannisbeere
Abb 3: Sonnenbrand an Johannisbeeren

Kirschfruchtfliege und Kirschessigfliege

Die Kirschfruchtfiegen schlüpfen als erwachsene Tiere ab Anfang Juni aus dem Boden und legen ihre Eier auf die reifenden Kirschen ab. Seit Pfingsten nimmt die Zahl der Fliegen zu und der Befallsdruck erhöht sich von den mittelfrüh bis zu den spät reifenden Kirschensorten mit jeder Kirschenwoche . Im Hausgarten sind derzeit keine Insektizide gegen Kirschfruchtfliegen zugelassen. In schwachen Befallsjahren kann das Aufhängen von Gelbtafeln (mit denen die Fliegenweibchen gefangen werden) die Vermadung der Kirschen reduzieren. In starken Befallsjahren reicht das Aufhängen von Gelbtafeln nicht mehr aus. Im Hausgarten ist das Einnetzen der Kirschbäume derzeit die einzige Möglichkeit, die Kirschen madenfrei zu halten.

Gelbtafel Kirsche Kirsche Einnetzung
Abb 4: Gelbtafel zum Fang von Kirschfruchtfliegen. Abb 5: Einnetzung von Kirschbäumen gegen Kirschfruchtfliege und Essigfliege.

 

Normale Netze mit einer Maschenweite von über 1,5  mm halten Kirschfruchtfliegen sicher fern, aber keine Kirschessigfliegen. Die Kirschessigfliegen sind kleiner und benötigen Netze mit Maschenweiten unter 1 mm für einen Bekämpfungserfolg. Engmaschige Netze, die Kirschessigfliegen abhalten sind inzwischen im Handel erhältlich, sie müssen aber rechtzeitig aufgezogen werden, damit sie den Befall verhindern. Sind die Essigfliegen bereits im Bestand, vermehren sie sich auch unter dem Netz weiter und der Befall lässt sich nicht mehr eindämmen.

Kirschessigfliege
Abb 6: Bei einem Befall durch die Kirschessigfliege können die Früchte innerhalb weniger Tage verderben und völlig ungenießbar werden.

Grauschimmel an Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren

Der Grauschimmel ist ein Schwächeparasit, der reife und halbreife Früchte kurz vor der Ernte mit einem Pilzrasen überzieht und zum Faulen bringt. Die Infektionen durch diesen Pilz finden bereits während der Blüte statt. Feuchtes Wetter, ein dichter und unsauberer Bestand fördern die Krankheit. Während der Blüte können spezielle Botrytismittel gespritzt werden. Die Wartezeiten von 3 bis 7 Tagen bis zur Ernte (je nach Pflanzenschutzmittel) müssen eingehalten werden. Erkrankte Früchte müssen regelmäßig aus dem Bestand entfernt werden.

Grauschimmel an Erdbeere
Abb 7: Grauschimmel an Erdbeere

Birnblattsauger

Verklebte und mit schwarzem Rußtau überzogene Blätter, Triebe und Früchte bei Birnen sind auf einen Schädlingsbefall zurückzuführen. Alle Tafelbirnen können befallen werden, Williams Christ und Conference sind aber ab häufigsten betroffen. Der Schaden wird durch ein Massenauftreten von Blattsaugern verursacht. Diese Insekten sind verwandt mit den Blattläusen; sie vermehren sich sehr rasch und sie scheiden Unmengen einer klebrigen Zuckerlösung (den sog. „Honigtau“) aus, auf der sich anschließend Schwärzepilze ansiedeln. Gefördert werden die Birnblattsauger durch warme und trockene Witterung. In manchen Jahren nimmt der Befall so stark zu, dass viele Früchte nicht mehr verwendet werden können. Tritt der Birnblattsauger öfter auf, sollten Nisthilfen (z.B. mit Stroh gefüllte Blumentöpfe) für Ohrwürmer in die Bäume gehängt werden, um diesen Nützling zu fördern. Der Ohrwurm ist der einzige Räuber, der Birnblattsauger einigermaßen in Schach halten kann. Eine chemische Bekämpfung ist im Hausgarten nicht möglich. Durch starke Regenfälle wird der klebrige Belag etwas abgewaschen; das Abspritzen der Bäume mit Wasser hat einen ähnlichen Effekt.

Birnblattsauger
Abb 8: Birnblattsauger und Honigtau auf Birnenfrüchten im Juni. Im Verlauf des Sommers können die Früchte völlig schwarz werden und sind dann ungenießbar.